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Der Traum vom einfachen System der Milchkuhhaltung in Neuseeland
Unsichere Märkte und stark volatile Rahmenbedingungen erschweren eine Vorhersage des Milchmarktes der Zukunft. Für eine objektive Beurteilung ist es unerlässlich, nicht nur die Milchproduktion vor Ort zu kennen, sondern auch über den Tellerrand zu blicken und sich mit anderen Milchproduktionsstandorten zu befassen. Alta Deutschland stellte im Rahmen der 2. AVS Konferenz 2008 Milchkuhhalter aus wichtigen Produktionsregionen weltweit vor und bot seinen Kunden somit Informationen aus erster Hand und hautnah.
Wie die Milchproduktion auf dem Kontinent am anderen Ende der Welt aussieht, lesen Sie jetzt!
Mit intensiver Weidenutzung zu hohen Milchinhaltsstoffen
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Adrian Frei ist vor 11 Jahren aus der Schweiz nach Neuseeland ausgewandert. Heute bewirtschaftet er zwei Standorte mit insgesamt 750 Kühen auf der Südinsel Neuseelands. Nächstes Jahr möchte Herr Frei seine Herde auf 900 Kühe vergrößern und einen Standort mit einem Share-Milker besetzen. Der 37-jährige Betriebsleiter verfolgt das typische neuseeländische Produktionsverfahren mit saisonaler Abkalbung und intensiver Weidenutzung. Das Ziel des grünlandbasierten Betriebes ist die Erzeugung möglichst hoher Milchinhaltsstoffe je ha Futterfläche. Hierzu wird die Milchleistungskurve der Herde an das Graswachstum angepasst. In Neuseeland gelten die Milchinhaltsstoffe als Parameter zur Wertbestimmung eines Betriebes.
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Durch intensive Weidenutzung erzielt Frei viel Milch pro Arbeitskraft und Arbeitsstunde
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Neuseeland und Deutschland lassen sich in der Milchproduktion nicht vergleichen. Das Grundfutter ist vom Energiegehalt fast Kraftfutterähnlich. Viele Betriebe erzeugen ihre Milch nur auf der Weide, was bei uns nicht möglich wäre. Die Produktionskosten liegen hier bei 11-12 €-Ct/kg Milch.
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Adrian Frei (37), mit Isabelle Frei und den fünf Kindern
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Ein Problem in Neuseeland ist es, gute Arbeitskräfte zu bekommen. Es kommen zwar immer wieder Ausländer, um Erfahrungen im landwirtschaftlichen Bereich zu sammeln. Obwohl sie die Möglichkeit haben, dort einen Anfang zu starten, gehen viele wieder zurück in die Heimat. Ein Grund hierfür könnte auch das soziale Umfeld in Neuseeland sein. Adrian Frei berichtete, dass man weniger Kontakte zu Mitmenschen hat, da auf dem Land die Bevölkerungsdichte gering und die Entfernungen zu anderen groß sind.
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Optimierte Brunsterkennung als Grundlage für saisonale Abkalbung
Mitte April wird auf Frei’s Betrieb in zwei Runden trockengestellt. Hierbei bestimmt das Graswachstum das Ende der Laktation. Die durchschnittliche Laktationsdauer beträgt auf dem Betrieb 270 Tage. Die Hälfte der Kühe überwintert in einem Leichtbaustall (s. Foto) und wird mit 8 kg Triticale-GPS (Ganzpflanzensilage) und 2 kg Grassilage gefüttert. Die andere Hälfte überwintert auf der Weide und wird mit 5 kg Triticale-GPS zugefüttert. Die Überwinterung der gesamten Herde auf der Weide verursacht zu viele Umweltprobleme. Nachhaltigkeit wird in Neuseeland ein immer wichtigeres Thema.
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Nur zwei Stunden Arbeitszeit je Herde und Tag im Winter
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Die saisonale Abkalbung findet auf Frei’s Betrieb in der Zeit vom 10. August bis 15. Oktober statt, also vor dem höchsten Graswachstum.
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Ernte der Ganzpflanzensilage
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Im Jahr 2007 kalbten 50 % der Tiere zwischen dem 10. und dem 25. August ab. Nach der Kalbung erhalten die Kühe frisches Weidegras. Es wird nur Heu und etwas Melasse zugefüttert. Die Besamungssaison beginnt auf dem Betrieb im November und dauert 4-6 Wochen. Es wird zu 100 % künstlich besamt. Frei’s Ziel liegt darin, 95 % der Kühe in 23 Tagen zu besamen bei einer Non-Return-Rate von 75 %. Um solche Ergebnisse zu erreichen, müssen die Quantität und die Qualität des Grases während dieser Zeitspanne perfekt sein. Außerdem müssen die Kühe optimal mit Mineralstoffen versorgt werden. Herr Frei nutzt hierzu das Tränkewasser, in das er die Mineralien gibt. Eine optimierte Brunsterkennung und möglichst wenig Stress für die Kühe bilden dabei eine weitere entscheidende Grundlage.
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Frei’s spezielles Modell der Kälbertränke
Während der saisonalen Abkalbung (Zeitraum 7 Wochen) fallen auf dem Betrieb große Mengen Kolostrum an (bis zu 20.000 Liter). Dieses wird in einem großen Tank aufgefangen und ungekühlt gerührt, bis es sauer und zu Dickmilch wird. Um den Prozess zu beschleunigen, schüttet Frei manchmal einen Naturjoghurt dazu. Durch diesen Prozess ist das wichtige Kolostrum für längere Zeit haltbar. Über die Rohrleitung wird es zu den Kälbern geleitet, was nach Adrian Frei einfach und billig sei. In den ersten 2 Wochen bekommen die Kälber zweimal täglich Kolostrum, danach nur noch einmal. Die Kälber kommen schon nach 4 Wochen auf die Weide, wobei sie immer das beste Gras bekommen. Die Kühe fressen 2 Tage später die Weide nach.
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Kälberherde auf frischem Gras
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Neuseeland’s Milchstatistik
Die Landesproduktion in Neuseeland beträgt nach Angaben der Neuseeland Dairy Statistik 2006/2007 15,1 Milliarden Liter mit 1,32 Milliarden kg Milchinhaltsstoffen.
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Begehrtes Land in Neuseeland
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Die Milchmenge je ha beträgt 10.674 Liter. In den letzten 10 Jahren haben sich die Herdengrößen verdoppelt und es stehen jetzt 11.630 Herden mit Ø 336 Kühen auf Neuseeland. Dabei leben 2,9 Mio. Kühe (3/4) auf der Nordinsel und 1 Mio. Kühe (1/4) auf der Südinsel. Auf der Südinsel (Größe 40.000 km2) gibt es 620 Milchfarmen mit einem Herdendurchschnitt von 447 Kühen, die auf 163 ha gehalten werden. Da auf der Nordinsel im Jahr 20.000 ha Flächen für Wohnungsbau etc. verbraucht werden, verkaufen Milchbauern ihre Betriebe und ziehen auf die Südinsel, wo sie für das gleiche Geld doppelt so viel Land bekommen. Im Süden sind nur wenige Milchkuhbetriebe älter als 12 Jahre.
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Einige Investoren kaufen Land allein aufgrund der enormen Wertsteigerung und verkaufen es wenig später wieder mit Gewinn. Dass sich dabei eine Kreditaufnahme lohnen kann, zeigt die folgende Rechnung:
ca. 14 % Wertsteigerung
- 8 % Kreditzinsen
_____________________
= 5 % Gewinn
Gute Zukunftsaussichten in Neuseeland
Für die Zukunft der Milcherzeugung in Neuseeland ist Adrian Frei sehr optimistisch. Es gibt immer noch viel Raum für Expansion. Durch die steigenden Landpreise werden Schafhalter und Rindfleischproduzenten verdrängt. Für die Milchkuhhalter ergeben sich hierdurch Wachstumsmöglichkeiten. Die Großmolkerei „Fonterra“ und zu punkten. Europa wird dabei als Zielregion für ihre Produkte in Bezug auf die Menge immer uninteressanter. Fraglich ist derzeit die zukünftige Strategie von Fonterra. Das Unternehmen muss sich als ehemaliger Quasi-Monopolist am Markt neu aufstellen. Für viele Landwirte ist aber derzeit nicht klar, ob ein Investment in Fonterra-Anteile die erwünschte Rendite bringt. Von diesem einen Punkt abgesehen, scheint Neuseeland das Paradies für Milchbauern zu sein.
Informationen zur Milchproduktion auf anderen Kontinenten der Erde demnächst exklusiv unter www.altagenetics.de!
Daniela Lemke, AltaMarketing
Posted Mar 13th
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