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Funktionieren „Genomics“ wirklich?

13 Januar 2012
 

In den letzten fünf Jahren gab es kein Thema in der internationalen Rinderzucht über das mehr gesprochen wurde als "Genomics." Es ist eine sehr spannende Wissenschaft und hat Genetik wieder zu einem beliebten Thema gemacht, wie damals, als die künstliche Besamung aufkam. Aber warum sind Genomics so eine große Sache? Weil es wirklich funktioniert!

 
Funktionieren „Genomics“ wirklich?

 

 

 

In den USA, gibt es seit Januar 2009 offiziell genomische Zuchtwerte. Damals, als das Verfahren noch sehr neu war, haben viele Menschen gezögert, diese Technologie anzuwenden. Aber jetzt, nachdem dieses Verfahren schon einige Jahre genutzt wird und die Ergebnisse offensichtlich sind, gibt es keinen besseren Zeitpunkt, um auf den Zug des genetischen Fortschritts auf zu springen!

 

Vererberauswahl 2009

 

Diejenigen, die dieses Verfahren anwendeten, als es noch in den Kinderschuhen steckte, profitieren heute davon. Hätten Sie sich 2009 für die höchsten genomisch getesteten Spitzenbullen (TPI) entschieden anstatt für die besten töchtergeprüften Vererber (TPI), würden Sie jetzt Töchter von hochkarätigen Bullen wie AltaIOTA, AltaROSS und AltaR2 melken.

 

Jedoch entschieden sich die meisten Leute im Frühjahr 2009 dafür abzuwarten und verwendeten deshalb die besten töchtergeprüften Bullen, die damals verfügbar waren (Tabelle 1). Diese Bullengruppe spricht für sich und sorgte für zufriedene Kunden auf der ganzen Welt. Aber die damals höchsten genomisch getesteten Bullen für TPI (Tabelle 2) sind genetisch deutlich überlegen.

 

 

top 10 töchtergeprüfte Alta Bullen 2009         

 

Für die 911 Bullen die im August 2010 einen genomischen Zuchtwert hatten und jetzt in der Dezember Zuchtwertschätzung 2011 Töchter in Milch haben, betrug die durchschnittliche Veränderung in TPI lediglich 28 TPI-Punkte (Tabelle 3). Und ja, einige verloren mehr (- 350 TPI), die Anderen weniger, wieder Andere haben ihren Zuchtwert gehalten und Manche konnten ihren Zuchtwert steigern (+ 325 TPI). Man kann hier also ableiten, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein genomisch getesteter Bulle um 350 TPI-Punkte fällt, bei 0,1% liegt (1/911). Dies ist in etwa die gleiche Wahrscheinlichkeit mit der ein Bulle um die gleiche TPI-Punktzahl steigt.

 

Zusätzlich kann man sagen, dass 95% der Bullen zwischen +/- 200 TPI-Punkten von Ihrem ursprünglichen genetischen Zuchtwert abweichen werden, wenn sie ihren töchtergeprüften Zuchtwert bekommen.

 

 

Tabelle 3. Alle Bullen (n=911) die im August 2011 einen genomischen Zuchtwert hatten und im Dezember 2011 Töchter in Milch bekommen haben

 

 

 

 

Warum es hier geht, ist der Durchschnitt einer genomisch getesteten Bullen-Gruppe, denn nur so sollte man diese Bullen einsetzen, als Gruppe. Weitere Datenanalysen zeigen, dass diese Zuchtwertveränderungen normal verteilt sind und die durchschnittliche Abweichung sehr nahe an Null geht.

 

 

Eine Ausnahme ist PL (Nutzungsdauer). Hierbei beträgt die durchschnittliche Veränderung -0,6 was bedeutet, dass die genomischen Zuchtwerte für dieses Merkmal etwas überschätzt werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Zuchtwerte falsch sind oder dass dieses Merkmal bei genomisch getesteten Bullen nicht berücksichtigt werden soll – nur, dass man eine kleine Veränderung bei allen genomisch getesteten Bullen erwarten kann. Für PL gilt, dass 95 % der Bullen sich zwischen -2.1 und +1.0 bewegen. Die Verteilung der Veränderung ist weiterhin relativ klein und von hochplatzierten genomischen Vererbern kann man erwarten, dass sie weiterhin hochplatziert sind, wenn ihre Töchter in Milch kommen.

 

 

Die Veränderung von CE (Kalbeverlauf)

 

Genomischer Zuchtwert - Zuchtwert basierend auf Tochterinformationen

 

Unsicherheit über den CE (Kalbeverlauf) ist ein häufiger Grund für Zurückhaltung beim Einsatz genomisch getesteter Vererber. Analysen zeigen, dass sich der Zuchtwert für Kalbeverlauf vom genomischen Zuchtwert zum töchterbasierten Zuchtwert ändern kann. Jedoch handelt es sich bei den Meisten um eine Veränderung von 1 Punkt nach oben. 82% der Bullen hatten eine Veränderung von +1 oder weniger und 97% +2 oder weniger. Aus diesem Grund empfehlen wir beim Einsatz von genomisch getesteten Bullen auf Jungrindern, Bullen mit einem SCE von 6% oder niedriger, bis eigene Daten für Kalbeverlauf vorliegen.

 

Für diejenigen, die in Sachen Kalbeverlauf kein Risiko eingehen wollen aber dennoch bessere Genetik durch den Einsatz von genomisch getesteten Bullen anstreben, gibt es das Alta FutureStar-Programm. Das FutureStar-Programm wurde entwickelt, um Sicherheit in Fruchtbarkeit und Leichtkalbigkeit von genomisch getesteten Bullen durch Beobachtungen in unseren Advantage-Herden zu gewährleisten.

 

Viele Leute, die kein Risiko in Sachen Kalbeverlauf eingehen wollen, glauben, dass sie töchtergeprüfte Bullen für die Jungrinderbesamung einsetzen müssen. Es ist jedoch zu bedenken, dass Bullen erst „töchtergeprüfte Zuchtwerte" für Kalbeverlauf bekommen, wenn die ersten Kälber geboren werden - das ist etwa ein Jahr nachdem die Bullen auf den Markt kommen.

 

 

Zuchtwertstabilität vom Testeinsatz zum Wiedereinsatz

 

„Werden diese Bullen im Wiedereinsatz noch mal runter gehen?" ist eine oft gestellte Frage. Tabelle 4 zeigt die durchschnittlichen Zuchtwertveränderungen vom Testeinsatz zum Wiedereinsatz. Diese Veränderungen sind viel stabiler als die, die wir in der Vergangenheit erlebt haben. Hier kann man sehen, dass das Äquivalent von zusätzlich 35 Töchtern eine signifikante Erhöhung der Zuchtwertstabilität bedeutet. Es ist zu erwarten, dass es für keine der Merkmale zu einer Veränderung des durchschnittlichen Zuchtwerts kommt, wenn der Bulle vom Testeinsatz in den Wiedereinsatz geht.

 

Tabelle 4. Zuchtwerte von Bullen basierend auf Testeinsatz-Daten und ihre Zuchtwerte basierend auf ihren Wiedereinsatz-Daten

 


 


Seit den Anfängen in 2009 gab es viele Verbesserungen in der Schätzung genomischer Zuchtwerte. Zudem kamen zahlreiche Tiere zu der Referenzpopulation hinzu. Beide Faktoren tragen zur Genauigkeit der genomischen Zuchtwerte bei. Heute bestehen genau die gleichen Möglichkeiten wie in 2009 – entweder Sie nutzen die besten töchtergeprüften Bullen oder die besten G-star Bullen (Tabellen 5 & 6). Während AltaIOTA und AltaROSS allgemein sehr bekannt sind und bereits einige großartige Töchter haben, überragen die Zuchtwerte der genomischen Gruppe (Tabelle 6) die der töchtergeprüften Gruppe bei weitem.

 

Dies zeigt den extremen genetischen Fortschritt, der durch den Einsatz genomisch getesteter Bullen erreicht wurde. Wenn Sie sich entscheiden die heutigen Top 10 der genomisch getesteten Bullen anzupaaren, werden Sie in drei Jahren Töchter der besten töchtergeprüften Bullen in Milch haben. Tatsächlich erreichen Sie so einen Sprung im genetischen Fortschritt von einer Generation! Die Gruppe der 10 höchsten genomischen Bullen ist durchschnittlich um 300 TPI Punkte höher als die, der heutigen Top 10 töchtergeprüften Bullen!

 

        

 

Wie schon erwähnt, haben wir in dieser Gruppe mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% mit einer Zuchtwertveränderung von +/- 200 TPI-Punkten zu Rechnen. Das bedeutet, dass jeder der in Tabelle 6 aufgeführten genomisch getesteten Bullen mit einer 95%igen Wahrscheinlichkeit einen höheren TPI haben wird als AltaESQUIRE, sobald sie einen töchterbasierten Zuchtwert bekommen.

 


Wenn Sie den genetischen Fortschritt Ihrer gesamten Herde maximieren und Ihr Zuchtziel schneller erreichen wollen, sind genomisch getesteten Bullen das Mittel der Wahl, um Ihre Ziele zu erreichen. Ähnlich wie bei einem Aktienportfolio, müssen Sie ein wenig Risiko eingehen, um Ihre erwartete Rendite zu maximieren. Natürlich kann man das Risiko der Aktien verringern, indem man die Anzahl verschiedener Unternehmen im Aktienportfolio erhöht. Auf die gleiche Weise kann das Risiko beim Einsatz von genomisch getesteten Bullen verringert werden, indem die Anzahl eingesetzter Vererber erhöht wird.

 


Für diejenigen von Ihnen, die Ihren genetischen Fortschritt maximieren wollen und bereit sind, ein gewisses Risiko zu akzeptieren, ist es wichtig, dass Sie Ihr Zuchtziel sorgfältig planen. Selektieren Sie dann eine Gruppe von mindestens 5 - 6 Vererbern, die Ihnen dabei helfen wird, den genetischen Fortschritt auf dem Weg zu Ihrem Zuchtziel zu maximieren!

 

Autoren: Gerbrand van Burgsteden, Nate Zwald, Lynsay Henderson, Ruben Booijink

 
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