Trockensteher-Management: Fütterung
„Die Laktation beginnt mit dem Trockenstellen" – das sollte der Leitfaden beim Management von Trockenstehern sein. In vielen Herden sind die Trockensteher zwar nicht mehr die „vergessene" Gruppe, die das qualitativ minderwertige Futter bekommt, das nicht gut genug für die melkende Herde ist. Allerdings unterscheiden sich die Trockensteherrationen von Betrieb zu Betrieb sehr stark. Bei der Versorgung der Trockenstehergruppe gibt es jedoch Ziele, die erreicht werden sollten und Fehler, die man vermeiden sollte.

Fütterung der Trockensteher
Die Ernährung ein wichtiger Teil des Trockenstehermanagements. Sechzig Prozent des gesamten Fötusgewichts, das in den 9 Monaten Tragezeit erreicht wird, wird in den letzten 60 Tagen vor dem Kalben aufgebaut. Mit anderen Worten: ein Kalb, das bei der Geburt 40Kg wiegt, nimmt 24Kg davon während der Trockenstehperiode der Kuh zu. Deshalb ist der Nährstoffbedarf der trockenstehenden Kuh vor allem abhängig vom Nährstoffbedarf des Fötus.
Der Fötus braucht Glukose (Zucker) für den Energiebedarf und Aminosäuren (Bausteine der Proteine) für das Wachstum. Dies muss über die Plazenta der Kuh geliefert werden und die Kuh nimmt die Nährstoffe wiederum durch die Trockensteherration auf.
Bestandteile der Trockensteherration:
- Grünfutter und Getreide (Kuh- & Fötusversorgung)
- ausreichende Vitamin- und Mineralstoffversorgung (Gesundheit von Kuh & Kalb), besonders wichtig: Vitamin A und E, Kalzium, Magnesium, Zink und Selen
- Berechnung der Trockenmasseaufnahme (TMA) der Kuh ist notwendig, um eine ausreichende Energie-, Protein-, Vitamin- und Mineralstoffversorgung sicherzustellen.
In den letzten zehn Jahren wurde viel Wert auf die Maximierung der TMA der hochtragenden Kühe gelegt, um eine angemessene Energiezufuhr zu gewährleisten und um mögliche Probleme wie z.B. eine Fettleber zu vermeiden. Untersuchungen haben gezeigt, dass die TMA in den letzten 14 Tagen vor dem Kalben um bis zu 30% sinken kann. Auf vielen Betrieben bestehen die hochtragenden Trockenstehergruppen aus Tieren, mit unterschiedlichem Abkalbetermin. Dies macht eine sichere Schätzung der TMA sehr schwer.
Wenn nach dem Kalben Probleme auftreten, untersuchen wir in der Regel die Protokolle der Vorbereitungskühe (Close-up Kühe). Jedoch beginnt das Problem häufig schon lange vor dem Trockenstellen. Deshalb sollte die Trockenmasseaufnahme von beiden Gruppen berechnet werden: 1.) Kühe in der Vorbereitung und 2.) Kühe in der frühen Trockenstehphase.
In vielen Herden wird der Schwerpunkt darauf gelegt, den Tieren der 1. Gruppe ein schmackhaftes energiereiches Futter vorzugeben, während in der frühen Trockensteherphase Grassilage und Heu und/oder Stroh gefüttert wird. Die TMA der frühen Trockensteher wird unter die erwartete Aufnahme pro Tag sinken, wie in Abbildung 1 gezeigt.

Abbildung 1: Starker Abfall der Trockenmasseaufnahme der Trockensteher kurz vor dem Kalben durch schlechtes Fütterungsmanagement
Wenn diese Kühe in die Vorbereitungsgruppe kommen, werden auch sie mit energiereichem Futter, das aus Maissilage, Luzerne und/oder Heu und Getreide besteht, gefüttert. Um die „verlorene Zeit" wieder aufzuholen, reagieren die Kühe mit einer steigenden Trockenmasseaufnahme und wenn die Kalbezeit dann näher rückt, fressen die Kühe immer weniger. Wissenschaftliche Untersuchungen und unsere eigenen tierärztlichen Beobachtungen zeigen, dass der TMA-Rückgang bei den Tieren extremer ist, die auf diese Art und Weise gefüttert wurden. Dieser drastische Rückgang der TMA führt zu einem erhöhten Auftreten von metabolischen Problemen nach dem Kalben.
Um dieses Problem zu bekämpfen, sollten beide Gruppen ihre Berücksichtigung finden, um so die TMA-Kurve flacher zu halten und eine übermäßige Depression der Futteraufnahme kurz vor dem Kalben zu vermeiden. Dies kann durch die Verbesserung der Futterqualität in der frühen Trockensteherzeit erreicht werden oder durch das Beimengen von Stroh oder Heu in die Ration der Vorbereitungskühe.
Die Mineralstoffversorgung, oder dessen Mangel, ist ein weiterer Bereich der Aufmerksamkeit fordert, wenn Gesundheitsprobleme bei Transitkühen untersucht werden. Die Bereitstellung von Mineralien durch ein Anfütterungskraftfutter in den letzten drei Wochen vor dem Kalben, kann den Mangel, der vorher herrschte, oft nicht kompensieren. Mineralstoffe wie Zink und Selen sind direkt an der Immunabwehr von Krankheiten wie Mastitis oder Metritis beteiligt. Außerdem ist eine ausreichende Mineralstoffversorgung der Kühe wichtig, weil der Fötus durch sie die notwendigen Mineralstoffe erhält.
Eine angemessene Futterration ist lebenswichtig. Wenn man sicher geht, dass die TMA ausreichend Energie, Protein, Vitamine und Mineralstoffe liefert, fördert dies eine erfolgreiche Abkalbung und die Überführung in die melkende Herde.
Lesen Sie mehr über das Trockensteher-Management im Artikel "Managementtipps für eine profitable Folgelaktation".
Artikel geschrieben von: Dr. Rich Vanderwal, DVM & Dr. Mary Lou Swift, Abbotsford Veterinary Clinic, Abbotsford - BC






