Negative Energiebilanz verschlechtert Fruchtbarkeit
Kalben... Viel Milch produzieren... Viel Futter fressen... Erholen von der Kalbung... Normalen Zyklus starten. Heute wird viel von unseren Kühen verlangt. Wir müssen dafür sorgen, dass sie zu dieser Leistung fähig sind. Eine ausgeglichene Energiebilanz ist dafür unabdingbar.

Die negative Energiebilanz (NEBAL) entsteht, wenn Kühe pro Tag mehr Energie verbrauchen, als sie über das Futter aufnehmen. Ab einer Woche vor der Kalbung nimmt die Futter- bzw. Trockenmasseaufnahme (TMA) kontinuierlich ab. Dies führt zu einer zunehmenden NEBAL, die ihren Höhepunkt etwa 2 Wochen nach der Kalbung erreicht.
Die NEBAL von Milchviehherden kann durch die Beurteilung des BCS überwacht werden. Das Ausmaß der negativen Energiebilanz nach der Kalbung hängt zusammen mit dem Körperfettverlust (BCS). Kühe mit einer schwereren NEBAL verlieren mehr Körperfett während der ersten 30 Laktationstage und brauchen mehr Zeit bis zur ersten Ovulation.

Unterschiede in der TMA wirken sich also direkt auf die NEBAL und den Zeitpunkt der ersten Ovulation aus. D.h., die effizientesten Kühe (Milchproduktion/TMA), die mit weniger Futter mehr Milch produzieren (höherer Verbrauch von Körperreserven), haben eine längere Wartezeit bis zur ersten Ovulation. Eine signifikante Anzahl Kühe (28-50%) hat meist keine Ovulation während der ersten 50 Tage in Milch und bis in die Besamungsphase hinein. Kühe mit einer verzögerten 1. Ovulation versäumen den Vorzug einer multiplen Ovulation und haben eine schlechtere Konzeptionsrate.
Die meisten Studien bestätigen einen Zusammenhang zwischen steigendem BCS- Verlust und sinkender Konzeptionsrate. Sie zeigen außerdem, dass ein niedriger BCS (< 2,5) bei der ersten Besamung die Zeit bis zur erfolgreichen Belegung der Kuh um 12 Tage verlängert (siehe auch Tabelle 1). Kühe die bis 50 Tage nach Laktationsbeginn noch nicht ovuliert haben, sind signifikant häufiger unfruchtbar und gehen deswegen ab.

Die negative Energiebilanz hat außerdem zur Folge, dass der Progesteronspiegel bei den ersten Zyklen nach der Kalbung nicht ausreichend ansteigt. Progesteron ist jedoch essentiell für die Trächtigkeit nach der Besamung. Es muss immer ausreichend im Blut vorhanden sein, um das Wachstum und das Überleben des Embryos zu sichern. Niedrige Progresteronspiegel, die oftmals mit hoher Leistung einhergehen, deuten auf einen steigenden Stoffwechsel in der Leber hin. Der Versuch, Progesteron nach der Besamung zu verabreichen, hatte einen gemischten Erfolg.
Es ist auch möglich, dass durch eine früh auftretende negative Energiebilanz ungünstige Bedingungen innerhalb der Follikel entstehen, wodurch die Eier während der ersten 60-80 Tage ihrer Entwicklung geschädigt werden. Weitere Studien zeigten, dass die Embryoqualität von gesunden, hochleistenden Kühen im Vergleich zu nicht laktierenden Kühen schlechter ist. Sie fanden auch heraus, dass eine frühe Embryoentwicklung - selbst später im mittleren Laktationsabschnitt - durch metabolische Effekte eines BCS von <2.5 negativ beeinflusst wird. Die Effekte einer NEBAL sind folglich über die gesamte Laktation direkt oder indirekt zu spüren.
Eine negative Energiebilanz beeinflusst sowohl die erste Ovulation als auch die Fertilität während der gesamten Laktation. Eine höhere Futteraufnahme während der Transitphase ist also entscheidend für eine bessere Energiebilanz während der ersten Wochen der Laktation.






