Fragen & Antworten zum 3K Chip
Angesichts der vielen Gerüchte um Genomics, stellen sich viele Fragen wie ein konventioneller Milchviehhalter diese Technology einsetzen soll: Wie werden Genomics die Branche beeinflussen? Sollte ich ausschließlich, teilweise oder gar keine genomischen Bullen einsetzen? u.v.m. Nachfolgend haben wir für Sie einige Fragen aufgelistet.

Genomische Tests gibt es schon seit einiger Zeit. Was macht diesen neuen Test billiger?
Jetzt ist ein neuer Chip mit ca. 3.000 SNP's erhältlich. Vorher gab es nur einen Chip zu kaufen mit etwa 50.000 SNP's. Der neue 3K Chip ist einfach ein Teil der wichtigsten SNP's des 50K Chip, wodurch er weniger kostet, aber dennoch eine beachtliche Genauigkeit liefert.
Wie hoch ist der Genauigkeitszugewinn zwischen unbekannten Tieren (UNB), Pedigree-Information, 3K und 50K? Wie ist die neue Technologie mit der bisher eingesetzten zu vergleichen?
Bei UNB müssen wir davon ausgehen, dass jedes Tier „durchschnittlich" ist und die Sicherheit quasi 0% beträgt. Mit dem Pedigree-Information können wir von einer Sicherheit von etwa 42% ausgehen und mit dem 3K Test erreichen wir ca. 60% für einen Index wie Net Merit, TPI oder einen selbstgewählten auf Ihrem Betrieb. Der 50K Test (der zurzeit für alle Zuchtbullen verwendet wird) hat eine Sicherheit von ca. 72% für die Indexe.
Was bedeutet dieser Genauigkeitszugewinn für den genetischen Fortschritt in meiner Herde?
Viele Betriebe belegen jedes vorhandene Tier zur Remontierung – wenn das Ihre Praxis ist und Sie vorhaben so weiter zu machen, dann haben genomische Tests keinen Wert für Ihren Betrieb. Wenn Sie vorhaben die Ergebnisse zu verwenden um sich auf eine Remontierung aus den Besten Ihrer Herde zu konzentrieren, dann können genomische Tests eine positive Auswirkung in manchen Situationen haben – besonders wenn Ihnen Abstammungsinformationen fehlen oder diese lückenhaft sind.
Wie sehen die genomischen Ergebnisse aus, wenn ich mich entscheide meine Tiere zu testen?
Die Ergebnisse sehen aus wie der Zuchtwert eines Bullen. Die Tiere bekommen Einschätzungen für Merkmale wie PTAM, PTAF, PTAP, PL, DPR, SCS, PTAT, UDC, FLC und alle linearen Zuchtmerkmale. Wenn Sie eine Gruppe von Tieren testen, können Sie die Ergebnisse in eine Tabelle einfügen und sie nach einem Index wie TPI oder Net Merit sortieren. Diese Praxis wird häufig für Bewertungen von Bullen verwendet.
Kann ich meine Tiere nach ihrem genetischen Potential einstufen ohne sie genomisch zu testen?
JA! Auch wenn es häufig nicht bedacht wird, kann ein konventioneller Betrieb dessen Abstammungsinformation vollständig und exakt ist eine Rangreihung der Zuchtwerte auf Basis der Pedigree-Informationen mit einer annehmbaren Sicherheit von ~ 40% vornehmen. Tatsächlich kann ein Pedigree-Wert für jedes Merkmal eines Bullenzuchtwertes berechnet werden und sieht den genomischen Ergebnissen recht ähnlich, nur mit einer geringeren Präzision. Das ist sehr wichtig, denn bei einer Herde mit vollständiger und exakter Abstammungsinformation der Väter und Mutterväter ist die Wahl die Färsen genomisch zu untersuchen oder nicht, eine Entscheidung zwischen der Genauigkeit der Pedigree-basierten Einstufung vs. der Exaktheit der genomischen Einstufung.
Was ist die Pedigree-Information?
Die Pedigree-Information ist der genetische Durchschnitt von Vater und Mutter des jeweiligen Tieres. Wenn keine Leistungsdaten der Mutter vorhanden sind, wird der Pedigree-Wert oftmals mit Hilfe des Vaters und des Muttervaters geschätzt.
Ich dokumentiere Vater X Muttervater (MV), ist meine Pedigree-Information genau genug?
Das hängt von der Genauigkeit Ihrer Abstammungsinformationen ab. Wenn Sie gewissenhaft bei der Zuchtdokumentation und der Identifikation der Kälber arbeiten, sollten die Väter und MV stimmen und dann wird die Pedigree-Information exakt genug sein, um Ihre Tiere für den Hausgebrauch einzustufen.
Wer kann die Pedigree-Einstufung machen?
Sie sollten mit einem Genetikberater zusammenarbeiten, dem Sie vertrauen - z.B. von ihrem Genetikunternehmen. Es ist sehr wichtig erst zu entscheiden wonach sortiert werden soll, bevor die Tiere eingestuft werden! Das bedeutet, dass Sie zunächst einen genetischen Plan entwickeln, um sich dann auf die Merkmale zu konzentrieren, die für Sie wichtig sind.
Was ist ein „Risiko" oder ein „Fehler" bei der 3K Bewertung?
Es gibt kein großes Risiko bei der 3K Einstufung. Sie wird immer sicherere Informationen liefern, als die reine Verwendung der Pedigree-Informationen (oder gar keine Informationen). Das tatsächliche Risiko sind die Opportunitätskosten, wenn man tausende von Euros investiert und dieses Geld bei einer anderen Investition bessere Renditen erwirtschaftet hätte. Generell sollte einfach die Verwendung des Geldes für den Kauf von besserer Genetik in Form von Sperma, als eine Alternativinvestition betrachtet werden.
Kann ich mit der Milchleistungsprüfung aufhören und mit dem 3K-Test einstufen?
Generell wird die Milchleistungsprüfung für das Management gemacht und nicht aus genetischen Gründen. Wir dürfen nicht vergessen, dass, obwohl der genomischen Test uns viele wertvolle Informationen über die Genetik eines Tieres liefert, das genetische Potenzial nicht alle Fragen des Managements beantworten kann. Zum Beispiel wenn ein Tier mit einer hohen Zellzahl am Testtag möglicherweise noch behandelt oder geschlachtet werden soll. Die genomische Daten können uns diese Informationen sicher nicht geben.
Es ist auch wichtig, dass wir weiterhin phänotypische Daten sammeln (durch Milchleistungsprüfung und Einstufung), damit unsere genomische Vorhersagen aktuell, relevant und präzise für eine sich ständig weiterentwickelnde Milchwirtschaft bleiben.
Was ist die Quintessenz?
Der genomische Test ist eine ausgezeichnete Technik und sicherlich spannend. Doch seien Sie vorsichtig bei der Entscheidung, ob dies die richtige Investition für Sie ist. Denken Sie daran, sich bei jeder neuen Information oder Hilfsmittel zu fragen, wie Sie diese Information verwenden und wie die Investition sich auszahlen wird. Wenn Sie diese Fragen beantworten können und es eine profitable Entscheidung für Ihren Milchviehbetrieb ist, dann ist es das Richtige für Sie. Wenn diese Fragen nur weitere Fragen nach sich ziehen, dann handeln Sie mit Vorsicht.
Artikel geschrieben von Nate Zwald, Senior Director Global Strategy and Marketing






