Info's &TippsReproduktion & ZuchtJungviehaufzuchtMit optimalem Kolostrum-Management zu hochproduktiven Färsen Mit optimalem Kolostrum-Management zu hochproduktiven Färsen
Das ein frischgeborenes Kalb in den ersten Lebensstunden ein paar Liter Kolostrum (Biestmilch) trinken muss, hat jeder Milchviehhalter schon einmal gehört. Dennoch ist die Kälberversorgung auf vielen Betrieben mangelhaft. Welche Faktoren spielen im Kolostrum-Management eine wichtige Rolle, damit sich ein Kalb zu einer hochproduktiven Färse entwickelt?

Die Versorgung des Kalbes in den ersten Lebensstunden entscheidet darüber, ob es sich zu einer gesunden, produktiven und wirtschaftlichen Färse bzw. Kuh entwickelt oder ob das Tier kränkelt und lebensschwach ist, nur langsam wächst und ein späteres Erstkalbealter sowie eine kürzere Nutzungsdauer erreicht.
Optimale Kolostrum-Versorgung
Kolostrum zeichnet sich durch einen sehr hohen Nährstoff- und Immunglobulin-Gehalt aus – beide sind essentiell für die optimale Entwicklung des Kalbes. Neugeborene Kälber haben keinerlei Immunschutz gegenüber Krankheitserregern, da die Antikörper der Mutter während der Trächtigkeit nicht auf den Embryo übertragen werden. Das Kalb wird nach der Geburt zunächst passiv durch die Aufnahme von Kolostralmilch immunisiert und baut erst nach und nach sein eigenes Immunsystem auf. Deshalb sollten Kälber in den ersten 1-3 Tagen mit Kolostrum getränkt werden.
Die Immunglobuline der Kolostralmilch werden über den Darm aufgenommen und gelangen so in die Blutbahn. Allerdings nimmt die Durchlässigkeit des Kälberdarms für die großen Immunglobuline rapide ab, so dass bereits nach etwa 9 Stunden die Durchlässigkeit auf 15% gesunken ist. Nach 24 Stunden ist der Übertritt der Immunglobuline vom Darm ins Blut nur noch geringfügig und nach 36 Stunden praktisch gar nicht mehr möglich.
Deshalb ist es äußerst wichtig, dass dem neugeborenen Kalb so schnell wie möglich, so viel wie möglich und vor allem qualitativ hochwertiges Kolostrum verabreicht wird. D.H., innerhalb der ersten 8 Lebensstunden sollte das Kalb 5-6 Liter Kolostrum trinken (10% vom Körpergewicht). Optimal sind zwei Gaben á 2-3 Liter, wovon die erste in den ersten 2 Lebensstunden geschehen sollte. Ist eine zweimalige Tränke in den ersten 8 Stunden arbeitstechnisch nicht möglich, wird empfohlen, eine Gabe á 4L innerhalb der ersten 2 Stunden zu verabreichen. Drenchen kann dabei durchaus hilfreich sein. Die Immunglobulin (Ig) -Konzentration im Serum des Kalbes kann ca. 2-7 Std. nach der 1. Kolostrumgabe anhand einer Blutprobe ermittelt werden.
Kolostrum-Qualität
Die Kolostrumqualität kann auf verschiedene Weise beeinflusst werden:
- Menge des 1. Gemelks (wichtigster Qualitätsfaktor): Die optimale Milchmenge des gesamten 1. Gemelks beträgt 6 Liter. Wird diese Menge überschritten, leidet die Kolostrumqualität aufgrund des Verdünnungseffektes. Z.B. ist die Ig-Konzentration im ersten Gemelk einer Färse mit nur 6L Gesamtmenge höher, als bei einer Kuh mit 20L Gesamtmenge und deshalb vorzuziehen - auch wenn die Vielfalt der Antikörper im Kolostrum einer Kuh evtl. höher ist. Die Ig-Konzentration kann mit einem Kolostrometer überprüft werden. Die Milch sollte mindesten 50 g/L IgG aufweisen. Wichtig: die Ig-Konzentration nimmt mit der Anzahl Melkungen ab.
- Immunstatus der Kuh: Welche Immunglobuline im Kolostrum vorhanden sind, hängt davon ab, mit welchen Infektionskrankheiten sich die Kuh selbst auseinandersetzen musste. D.h., für gewöhnlich ist der Immunisierungsgrad stallspezifisch.
- Länge der Trockenstehperiode: Die Kuh benötigt eine Trockenstehzeit von mind. 3-4 Wochen für eine ausreichende Immunglobulin-Konzentration im Kolostrum. Dieses bildet sich in den letzten 10-7 Tagen vor dem Kalben.
- Trockensteherfütterung: Ein wichtiger Einflussfaktor ist zudem die Trockensteherfütterung, bei der auf die richtige Proteinversorgung und Körperkondition der Kuh geachtet werden muss.
Kolostrum-Handling
Frisch gemolkenes Kolostrum sollte sofort vertränkt werden, da der Bakteriengehalt bereits nach einer Stunde stark zugenommen hat. Ist ein sofortiges Vertränken nicht möglich, sollte das Kolostrum zumindest gekühlt werden. Weiterhin empfiehlt es sich, dass Kolostrum einzufrieren oder zu pasteurisieren.
Einfrieren: Wird Kolostrum eingefroren, sollte dies in flachliegenden Beuteln geschehen, um ein leichteres und gleichmäßigeres Auftauen im Wasserbad bei max. 60°C zu gewährleisten. Eingefrorenes Kolostrum sollte immer beschriftet sein: Kuhnummer, Datum und IgG Level
Pasteurisieren: Das Pasteurisieren von Kolostrum wird grundsätzlich empfohlen, da durch diesen Vorgang z.B. Coli-Keime und Koagulase negativen Staphylokokken abgetötet werden und mehrere Studien gezeigt haben, dass die IgG-Absorption der Kälber bei der Gabe von pasteurisiertem Kolostrum höher ist, als bei Rohkolostrum.
Artikel geschrieben von Johanna Einerhand, Marketing Assistens Alta Genetics
Quellen:
Heinrichs, J. (2011): "Improving Calf Nutrition and Health", Vortrag
Kirchgeßner, M. (2004): "Tierernährung", 11. Auflage, erschienen im DLG Verlag
Kunz, H.-J. (2011): "Einfluss der Ernährung in den ersten Lebenswochen", Vortrag





