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Frühabsetzen mit der richtigen Tränkemethode

 

Nachdem in den ersten 1-3 Lebenstagen des Kalbes mit einer optimalen Kolostrumversorgung die Basis für die Entwicklung zu einer hochproduktiven Färse geschaffen wurde, sollte diese in der folgenden 4-6 wöchigen Tränkephase weiter ausgebaut werden.

 
Frühabsetzen  mit der richtigen Tränkemethode

Der Milchviehhalter hat dabei die Wahl zwischen verschiedenen Tränken:

 

  • Milchaustauscher: hierbei sollten in jedem Fall die Gebrauchsanweisungen befolgt werden. Allerdings basieren MATs überwiegend auf Molke und Magermilch, wodurch die Verdauung von MATs etwas anders abläuft, als die von Vollmilch.
  • Vollmilch: dies ist die Tränke der Wahl, da die Inhaltsstoffe und die Zusammensetzung am optimalsten für die Entwicklung sind.
  • Abfall-/Sperrmilch: diese sollte in jedem Fall pasteurisiert werden, bevor sie vertränkt wird.

 

Neben der Milchtränke sollten Kälber zudem ein Kälberstarterfutter mit Getreide und 18% Rohprotein erhalten (kein Kuhschrot!). Das Starterfutter sorgt für die Ausbildung der Pansenzotten, welche für einen effektiven Stoffwechsel von großer Bedeutung sind. Die Milch gelangt beim Saugen durch den Schlundrinnenreflex vorwiegend in den Labmagen und ist so quasi ohne Wirkung auf das Pansenzottenwachstum. Hierfür wird vor allem Energie aus flüchtigen Fettsäuren (Buttersäure > Propionsäure > Essigsäure) benötigt, die das Starterfutter liefert (vgl. Abb.1). Zudem ist eine ausreichende Energieaufnahme aus Starterfutter und Milch nötig für den Erhaltungsbedarf und Zuwachs.

 

Abbildung 1: Entwickung der Pansenpapillen von 6 Wochen alten Kälbern mit unterschiedlicher Fütterung


Vergleich Pansenentwicklung Kalb

 

Wie viel Energie für den Erhaltungsbedarf benötigt wird, ist von verschiedenen Faktoren abhängig:

 

  • Umgebungstemperatur: die thermoneutrale Zone in den ersten 3 Lebenswochen liegt zwischen 15-25°C. Bei 0°C steigt der Tränkebedarf um ca. 1 Liter/Tag.
  • Windgeschwindigkeit
  • Fell: wie lang und feucht ist das Fell?
  • Hitzestress

 

 

Die tägliche Gewichtszunahme sollte in den ersten 4 Monaten im Durchschnitt bei 800g liegen. D.h., in den ersten Lebenswochen werden die Zunahmen geringer sein und um die 10. Lebenswoche dann bei ca. 1000g (Kälber regelmäßig wiegen!). Durchschnittliche Zunahmen von > 950g wirken sich negativ auf die Leistung in der 1. sowie den Folge-Laktationen aus und verursachen außerdem höhere Futterkosten.

 

Ist die Gewichtszunahme in den ersten Wochen zu gering, führt dies zu einem höheren Besamungsaufwand und es ist schwer das angestrebte Erstkalbealter (EKA) von 24 Monaten zu erreichen. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass bei einem EKA von 24 Monaten die Leistung am besten ist. Sowohl bei einem EKA von 22 Monaten als auch bei einem EKA von 29 Monaten ist die Leistung geringer.

 

Es wird empfohlen Vollmilch ad libitum zu füttern – auch wenn Vollmilch ein teures Futtermittel ist. Jedoch machen sich diese höheren Kosten in den ersten Aufzuchtwochen schnell bezahlt, wenn dadurch weniger Abgänge (-33%) und eine höhere Milchleistung von bis zu 1000kg (Fischer & Bernd 2002) erreicht werden.

 

Weitere Vorteile der ad libitum Fütterung:

 

  • die Kälber fressen mehr Kraftfutter, weil die Futteraufnahme positiv stimuliert wird
  • Durchfall tritt seltener auf
  • Die Kälber machen nicht die Erfahrung, dass es nichts mehr gibt, wodurch sie langsamer trinken und sich nicht übersaufen (wenn sie mehr bekommen als sonst)
  • eine höhere Energieaufnahme führt zu einer besseren Entwicklung des Parenchyms der Euteranlage

 

Für die ad libitum Fütterung bietet sich ein Absäuern der Vollmilch auf einen pH-Wert von 5,5 an, um die E.coli Entwicklung in der Milch bei längerem Stehen einzugrenzen.

 

Wasser sollte ebenfalls angeboten werden, allerdings erst 15-20 min. nach der Tränke, damit sich die Schlundrinne öffnet und das Wasser in den Pansen läuft und nicht die Milch im Labmagen verdünnt, was hinderlich bei der Verdauung ist.

 

Wenn die Kälber das Starterfutter richtig gut fressen, kann außerdem eine qualitativ gute Silage angeboten werden. Heu wird nicht empfohlen, da es schlechter verdaulich ist als Silage und weniger Energie enthält. Schlechtes Grundfutter beansprucht wertvollen Platz im Pansen, so dass weniger Energie aufgenommen wird und die Kälber langsamer wachsen.

 

Je nach Fütterung und Management können die Kälber nach 4-6 Wochen abgesetzt werden. Dies sollte vor allem von der aufgenommenen Menge des Kälberstarters abhängig gemacht werden. Die Kälber sollten mindestens 0,75-1kg/Tag Starterfutter fressen, bevor sie abgesetzt werden. Nach dem Absetzen steigt die Starteraufnahme meist schnell auf 2-3kg an.

 

Artikel geschrieben von Johanna Einerhand, Marketing Assistens Alta Genetics


Quellen:

Heinrichs, J. (2011): "Improving Calp Nutrition and Health", Vortrag

Kirchgeßner, M. (2004): "Tierernährung", 11. Auflage, erschienen im DLG Verlag

Kunz, H.-J. (2011): "Einfluss der Ernährung in den ersten Lebenswochen", Vortrag

 
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